Liebe WaiblingerInnen,
was ist gerecht? Wenn alle Familien für dieselbe Kinderbetreuung denselben Beitrag bezahlen? Oder wenn sich die Gebühren nach dem Einkommen richten?
Unser bisheriges Modell folgt dem Grundsatz: Wer mehr verdient, kann mehr zahlen. Aber ist das immer gerecht? Wenn in einer Familie beide Elternteile arbeiten und diese Familie deshalb mehr verdient als eine Familie mit nur einem Einkommen? Nicht unbedingt. Und was, wenn eine Familie zwar weniger verdient, dafür aber mietfrei wohnt?
Auch unser bisheriges System ist nicht immer gerecht. Wollte man ein gerechteres System erreichen, müsste man die unterschiedlichen Lebensverhältnisse noch genauer berücksichtigen – und mehr Bürokratie in Kauf nehmen. Wäre das gerechter?
Die Stadtverwaltung schlägt nun feste Gebühren je Betreuungsform vor. Damit sollen zwei Verwaltungsstellen eingespart werden und rund 44 Prozent der Familien müssten wohl weniger bezahlen. Allerdings würden gerade Familien mit höherem Einkommen profitieren. Ist das gerecht?
Zwar ist davon auszugehen, dass für einen Teil der Familien mit geringem Einkommen die Gebühren vom Landkreis übernommen würden – nach entsprechendem Antrag, Prüfung und Bewilligung. Aber was ist mit den rund 22 Prozent der Familien, die auf keine Unterstützung durch den Landkreis hoffen können? Darunter sind auch Familien, für die jeder zusätzliche Euro eine erhebliche Belastung ist. Reichen die geplante Sozialstaffelung und die Härtefallregelung aus, um eine finanzielle Überforderung dieser Familien zu verhindern? Ich weiß es nicht. Und das bereitet mir große Sorgen.
Gerade in Zeiten knapper Kassen müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass eine gute, verlässliche und bezahlbare Kinderbetreuung kein bloßer Kostenfaktor ist, sondern eine Investition in unsere Zukunft.
Diskutieren Sie mit uns am Montag, 09.11.2026,18 Uhr – Kleiner Kasten (Kurze Straße 31, WN)
Elena Sugg-Adolphs (Stadträtin Waiblingen)